Montag, 16. Juni 2014

Jeder Gottesdienst setzt Emotionen frei ...

Diesen Satz aus dem Aufsatz von Sönke von Stemm / Karlo Meyer: Gottesdienste, in:  Th. Böhme-Lischewski u.a. (Hg.). Konfirmandenarbeit gestalten (Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten 5), Gütersloh 2010, hatte ich zwar in der Vorbereitung markiert, ihm dann aber keine weitere Beachtung geschenkt.

Professor Schröder nahm den Satz auf und erläuterte ihn am Beispiel Ostern. "Wenn ich aus einem Ostergottesdienst mit Trauermiene komme, dann sollte der Gottesdienstverantwortliche überlegen, was schiefgegangen ist." Offensichtlich kommen Menschen mit einer besonderen Erwartung in einen Gottesdienst, und dieser Erwartung sollte auch entsprochen werden.

Ich erinnere mich an einen eigenen Gottesdienstbesuch zum 1. Advent. Es war in der Studienzeit, also in "grauer Vorzeit". Aber vergessen habe ich das Erlebnis auch nach diesen vielen Jahren nicht. Ich wollte zum Beginn des Kirchenjahres einen schönen Gottesdienst mit den vertrauten Adventsliedern und mit passenden Gedanken in der Predigt erleben. Der Pastor stellte aber die neuen Antependien (Stoffbehang) für den Altar und für Kanzel und Lesepult vor. Die Gemeinde hatte die Tücher das erste Mal in Gebrauch. Das entsprach nun überhaupt nicht meiner Erwartung. Damit war dieser 1. Advent gelaufen.

Ich erzähle diese Geschichte hier, weil ich in der Vergangenheit offensichtlich auch nicht immer die Emotionen meiner Gemeindeglieder getroffen bzw. bei den Überlegungen zur Predigt berücksichtigt habe. Insbesondere im Anklang an alttestamentliche Prophetentexte habe ich meine Gottesdienstgemeinde immer wieder mit der politischen Wirklichkeit konfrontiert und darauf hingewiesen, dass vieles in unserer Gesellschaft aus dem Ruder gelaufen ist. Wenn daraus dann beispielsweise am 1. Advent (!) eine Gerichtspredigt wird verbunden mit deutlichen Hinweisen auf das Verhalten von Konfirmanden, dann fühlten sich einige aus der Gemeinde auch nicht da abgeholt, wo sie waren.

Unabhängig vom Seminarthema will ich versuchen, in Zukunft diesen Satz zu beherzigen:

"Jeder Gottesdienst setzt Emotionen frei ..."

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