Montag, 16. Juni 2014

Jeder Gottesdienst setzt Emotionen frei ...

Diesen Satz aus dem Aufsatz von Sönke von Stemm / Karlo Meyer: Gottesdienste, in:  Th. Böhme-Lischewski u.a. (Hg.). Konfirmandenarbeit gestalten (Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten 5), Gütersloh 2010, hatte ich zwar in der Vorbereitung markiert, ihm dann aber keine weitere Beachtung geschenkt.

Professor Schröder nahm den Satz auf und erläuterte ihn am Beispiel Ostern. "Wenn ich aus einem Ostergottesdienst mit Trauermiene komme, dann sollte der Gottesdienstverantwortliche überlegen, was schiefgegangen ist." Offensichtlich kommen Menschen mit einer besonderen Erwartung in einen Gottesdienst, und dieser Erwartung sollte auch entsprochen werden.

Ich erinnere mich an einen eigenen Gottesdienstbesuch zum 1. Advent. Es war in der Studienzeit, also in "grauer Vorzeit". Aber vergessen habe ich das Erlebnis auch nach diesen vielen Jahren nicht. Ich wollte zum Beginn des Kirchenjahres einen schönen Gottesdienst mit den vertrauten Adventsliedern und mit passenden Gedanken in der Predigt erleben. Der Pastor stellte aber die neuen Antependien (Stoffbehang) für den Altar und für Kanzel und Lesepult vor. Die Gemeinde hatte die Tücher das erste Mal in Gebrauch. Das entsprach nun überhaupt nicht meiner Erwartung. Damit war dieser 1. Advent gelaufen.

Ich erzähle diese Geschichte hier, weil ich in der Vergangenheit offensichtlich auch nicht immer die Emotionen meiner Gemeindeglieder getroffen bzw. bei den Überlegungen zur Predigt berücksichtigt habe. Insbesondere im Anklang an alttestamentliche Prophetentexte habe ich meine Gottesdienstgemeinde immer wieder mit der politischen Wirklichkeit konfrontiert und darauf hingewiesen, dass vieles in unserer Gesellschaft aus dem Ruder gelaufen ist. Wenn daraus dann beispielsweise am 1. Advent (!) eine Gerichtspredigt wird verbunden mit deutlichen Hinweisen auf das Verhalten von Konfirmanden, dann fühlten sich einige aus der Gemeinde auch nicht da abgeholt, wo sie waren.

Unabhängig vom Seminarthema will ich versuchen, in Zukunft diesen Satz zu beherzigen:

"Jeder Gottesdienst setzt Emotionen frei ..."

Mittwoch, 11. Juni 2014

Transatlantisches Freihandelsabkommen - man sollte es verhindern!

In diesem Post geht es nicht um Gedanken, die ich mir im Zusammenhang mit dem Studium gemacht habe. Es geht um einen Artikel aus der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 05.06.2014 zum Thema "Transatlantisches Freihandelsabkommen" (abgekürzt: THIP = Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft; gebräuchlicher ist die englische Abkürzung TTIP = Transatlantic Trade and Investment Partnership). Der Autor Jens Jessen titelt "Eine Wahnsinnstat" und hält gleich in der Einleitung die Worte fest, die ich für die Überschrift dieses Posts von ihm zitiert habe: "Man sollte es verhindern!"

Jessen weist in den einführenden Sätzen darauf hin, dass das Freihandelsabkommen in einer breiten Öffentlichkeit von "Medien, Stammtische(n), Parlamente(n)" kritisch diskutiert wird.

Nachtrag am 4. Januar 2015: Ich habe diese Seite bei https://www.campact.de/ (Demokaratie in Aktion) gefunden: 
http://blog.campact.de/2014/11/warum-ttip-kein-spass-fuer-merkel-ist/

Und offensichtlich läuft zwischen den Staaten noch eine ganz andere Sache still und heimlich leise ab. Schon mal was von TISA gehört? Ich bis vor ein paar Tagen noch nicht! Hier ist der erste Infolink: 
http://blog.campact.de/2014/06/tisa-was-geht-hier-ab/

TTIP in der Heute Show

Im Folgenden stelle ich einmal - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einige Links zu Youtube-Ausschnitten aus der "Heute Show" zusammen, in denen das Thema auf satirische Weise verhandelt wurde:

Freihandelsabkommen mit den USA - Von Chlorhühnchen und Antidemokraten
Veröffentlicht am 25.01.2014

ZDF "heute show" über Freihandelsabkommen (TTIP); Gen-Mais
Veröffentlicht am 21.02.2014

NSA und TTIP - heute show mit Oliver Welke 09.05.2014 - die Bananenrepublik
Veröffentlicht am 09.05.2014 - starten bei 3 Minuten

TTIP und Drohnen lügen nicht - heute show 02.05.2014 - die Bananenrepublik
Veröffentlicht am 02.05.2014 - starten bei 4 Minuten 30 Sekunden

Infos aus Wikipedia

Informiert man sich bei Wikipedia über das Thema "Transatlantisches Freihandelsabkommen", so findet man gleich in der einleitenden Zusammenfassung diese Hinweise: "Das geplante Abkommen wird von Teilen der Politik, Journalisten, Verbraucherschutz- und Umweltschutzorganisationen sowie Nichtregierungsorganisationen massiv kritisiert." ... "Das Abkommen wurde als „undemokratisch“, als „unvereinbar mit demokratischen Prinzipien“ und als „Unterwerfung“ der Teilnehmerstaaten unter Konzerninteressen bezeichnet." (Wikipedia, Artikel "Transatlantisches Freihandelsabkommen"; Link s.o.; abgerufen am 11.06.2014)

Des Pudels - TIPPs - Kern

Zurück zum Artikel aus der "Zeit". Nachdem Jens Jessen auf die Probleme hingewiesen hat, die das Abkommen im Blick auf die europäische Kulturlandschaft haben kann - Film, Buchmarkt, Theater, Oper, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Hochschulen etc. - kommt er zum eigentlichen Kernpunkt seines Artikels. Er legt offen, dass es in dem Abkommen darum geht, die ausländischen Investoren davor zu schützen, dass ihnen Gewinne entgehen, wenn in den beteiligten Ländern Regelungen getroffen werden, die die Gewinne der Unternehmen schmälern. Dabei macht er deutlich, dass nicht einseitig Amerika Vorteile für sich heraus schlägt, sondern dass mit dem Abkommen beispielsweise europäische Finanzdienstleister gegen die strengeren amerikanischen Regeln zur Bankenaufsicht und Börsenkontrolle angehen könnten. Jessen stellt dann fest: "Es handelt sich um einen Vertrag, den das internationale Kapital zulasten der nationalen Demokratien abschließen will."

"Satanische Bestimmung"

Wenn Jessen auf solch negative Begrifflichkeit aus dem religiösen Sprachschatz zurückgreift, dann wird die Tragweite des angestrebten Vertrages deutlich. Gemeint sind die Bestimmungen, die schon getätigte Investitionen vor kommenden Regulierungen schützen sollen. Was gemeint ist beschreibt Jessen so: "Sollte ein nationales Parlament Gesetze beschließen, einen Mindestlohn beispielsweise oder eine Umweltauflage, die geeignet wären, die Gewinnerwartung des Investors zu schmälern, müsste der betreffende Staat dem Investor den entgangenen Profit ersetzen." Neben dieser Tätigkeit des Gesetzgebers könnten beispielsweise auch Tarifverhandlungen geeignet sein, die erwartete Rendite zu schmälern. Alles das, was früher "unternehmerisches Risiko" genannt wurde - so Jessen - würde auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Die Schiedsgerichte, die Streitigkeiten regeln sollen, brächten nach Meinung des Autors auch keinen Vorteil, weil sie keiner staatlichen Kontrolle unterworfen sind.

In Stein gemeißelt

Wahrhaft "satanisch", um den Begriff von Jessen aufzunehmen, wird das Abkommen dadurch, dass die einmal getroffenen Vereinbarungen des Abkommens offensichtlich dauerhaft gelten sollen. Bei Wikipedia ist zu lesen, dass "jede einzelne Bestimmung nur mit Zustimmung sämtlicher Unterzeichnerstaaten geändert werden könnte, sobald der Vertrag in Kraft getreten sei". Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der "Grünen" an, die Klauseln wünschen, "die den Mitgliedstaaten erlauben würden, auch nach Inkrafttreten des Vertrags daraus aussteigen zu können" (Spiegel online; abgerufen am 11.06.2014).

Sollten solche Klauseln nicht im Vertrag stehen - die Bundesregierung betrachtet sie als überflüssig (Spiegel online am genannten Ort) - müsste in Zukunft jegliche nationale Gesetzgebung darauf geprüft werden, ob sie dem "Geist" von TTIP zuwider laufen könnte. Entweder nähme man das billigend in Kauf und plante grundsätzlich Finanzmittel in die öffentlichen Haushalte ein, die Investoren zugesprochen werden, wenn diese ihre Gewinnerwartung geschmälert sähen, oder es würden nur noch Gesetze beschlossen, die den Investoren nicht "weh tun". Von Tarifverhandlungen, wo es um Arbeitsplätze geht, will ich gar nicht reden.

NEIN!

Unter den geschilderten Voraussetzungen ist es mir gänzlich unverständlich, wie die deutsche Regierung sich ernsthaft für weitere Verhandlungen einsetzen kann, zumal Sigmar Gabriel noch im Oktober 2013 im Brustton der Überzeugung erklärte, dass es für ihn "schwer denkbar" wäre, über ein Abkommen zu verhandeln, wenn die "Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Bürger in Europa" gefährdet sind (vgl. Youtube-Video der Heute Show vom 09.05.2014; s.o.). Was, bitte schön, muss denn noch an die Öffentlichkeit kommen, bis endlich jemand die Notbremse zieht und alles auf Eis legt?

Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

Zum Schluss kommt dann doch noch einmal der Pastor Ralf Krüger zu Wort. Die ganze Zeit muss ich an die biblische Geschichte denken, wo Jesus angeboten wird: "Das alles - die Reiche dieser Welt - will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest." (Mt 4,9) Auch uns, den Bürgern, den Politikern, den Wirtschaftsfachleuten, allen die an der Diskussion beteiligt sind, wird viel angeboten: Arbeitsplätze, Wohlstand, Freiheit im Warenaustausch, Fortschritt, Überwindung von Grenzen etc. Aber wer bietet es uns an? In der biblischen Geschichte war es der Versucher, der Satan, der, der uns von Gott wegbringen will.

Breite Ablehnung

Jens Jessen lehnt das Freihandelsabkommen in der jetzigen Form ab, weil er die Demokratie bedroht sieht. Wenn die uns "etwas wert ist", so schreibt er, "müssten wir auch bereit sein uns von einem Freihandel, der sie bedroht, abzuwenden und eine Freiheit in Armut zu wählen". Ich füge hinzu, ein Abkommen, das zukünftige Generationen knebelt und jegliche Entscheidung dann von finanziellen Erwägungen abhängig macht, hat nichts, aber auch überhaupt nichts mit Freiheit zu tun, es ist im wahrsten Sinn den Wortes "satanisch" und wird uns letztendlich versklaven.

Gibt man bei der Google-Suche ein "ttip freihandelsabkommen", so findet man auf der ersten Seite unter den 13 Suchergebnissen 6 Beiträge, die auf den ersten Blick dem Abkommen kritisch gegenüberstehen.

  • TTIP Abkommen stoppen - campact.de‎
  • Transatlantisches Freihandelsabkommen – Wikipedia
  • Teilnehmen - Stoppt TTIP - Campact
  • Transatlantisches Freihandelsabkommen - Spiegel Online
  • TTIP - European Commission
  • TTIP - Elefantenhochzeit für Freihandel stoppen - Attac
  • Vor Europawahl: Freihandelsabkommen TTIP im Faktencheck
  • Mitmachen: TTIP verhindern | Umweltinstitut München
  • Freihandelsabkommen: Internes TTIP-Papier der Union ...
  • TTIP: EU-Kommissar sieht durch Freihandel keine Gefahr ...
  • TTIP: Ein globaler Erpressungsversuch
  • Gegen Transatlantisches Freihandelsabkommen Bündnis ...
  • TTIP: Störfeuer gegen das Handelsabkommen - FAZ.net

Letztendlich bleibt nur zu hoffen, dass das Abkommen in der jetzigen Form zu Fall gebracht wird wie das als Vorläufer angesehene "Multilaterale Investitionsabkommen", das bereits in den 1990er Jahren auf erhebliche Widerstände stieß und schließlich am Widerstand Frankreichs scheiterte (vgl. den Hinweis bei Wikipedia am genannten Ort).

Mittwoch, 4. Juni 2014

Gott Vater Sohn und Heiliger Geist ...

In den vergangenen Wochen hatten wir im Seminar von Prof. Feldmeier mehrere Bibeltexte besprochen. Mit diesem Beitrag will ich auch für mich selbst versuchen, eine Linie zu zeichnen. Diese werde ich in der nächsten Zeit noch erweitern bzw. neu bedenken. Ich werde auch die eine oder andere Literaturangabe noch ergänzen. Die Überschriften stammen teils aus der Struktur des Seminars, teils habe ich sie selbst gesetzt. Bei den Bibeltexten handelt es sich durchaus um bekannte Texte aus der Heiligen Schrift, die aber durch das Seminar aus dem mir bisher geläufigen Kontext in ein besonderes Licht gerückt werden.

Heute, am Samstag vor Pfingsten, ergänze ich noch ein paar Gedanken aus der letzten Seminarstunde. 

  • Wer ist Gott? 
  • Was macht sein Wesen aus? 
  • Wie sollen wir ihn nennen?
  • Was macht er mit uns ...
  • ... und wir mit ihm?


Gotteserkenntnis

1.Korinther 8,1-6

1 Was aber das Götzenopfer angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben.
Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf.
2 Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.
3 Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.
4 Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keinen Götzen gibt in der Welt und keinen Gott als den einen. 5 Und obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt,

6 so haben wir doch nur "einen" Gott, den Vater,
von dem alle Dinge sind und wir zu ihm;
und "einen" Herrn, Jesus Christus,
durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.

7 Aber nicht jeder hat die Erkenntnis.

Gott ist einer

In diesem Text geht es um die monotheistische Aussage und um das "Wissen", dass Gott "einer" ist und es neben ihm keine anderen Götter gibt. Dieses "Wissen" teilen die Christen mit den Juden - Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. (Dtn 6,4) -, aber auch mit Teilen der heidnischen Umwelt. So können beispielsweise Cisero oder Plutarch auch von einem höchsten Gott als Inbegriff des Seins sprechen (Feldmeier, Spieckermann, Gotteslehre, S. 109).

Wie kommt Paulus nun zu der Aussage, dass Gott einer ist. Er greift in diesem Text auf das sog. Schma Jisrael (Dtn 6; s.o.) und auf den Gedanken der Schöpfung zurück:
  • ein Gott, von dem alle Dinge sind ...
Bemerkenswert ist, dass dieser Gott "Vater" genannt wird. Auf diesen Gott, den Vater, ist die Gemeinde ausgerichtet. In seinem "Herrschaftsbereich" - oder anders: entsprechend seinem "Herrschaftsbereich" lebt sie.

Und die Gemeinde hat
  • einen HERRN, nämlich Jesus Christus ...
durch den alles - die Welt - geschaffen ist - und auch die christliche Gemeinde, die "neue Schöpfung".

Bewusst habe ich "Christus, der HERR" in Großbuchstaben geschrieben. Denn Paulus verwendet hier das gleiche Wort - Kyrios -, das im griechischen Alten Testament für Gott selbst steht. Diesen Namen Gottes - und damit auch sein Sein - überträgt die erste christliche Gemeinde auf Jesus Christus. Er ist HERR, er ist Kyrios (vgl. den nächsten Abschnitt "Gottes Namen und Identität").

Für die christlichen Gemeinden - neben Korinth auch in Rom - ergab sich nun die Frage, wie mit Fleisch umzugehen wäre, das zuvor heidnischen Göttern geweiht bzw. geopfert worden war. Durften Christen dieses Fleisch dann guten Gewissens verzehren? ES gab allerdings auch kein anderes.

Vordergründig könnte man schlussfolgern: Wenn das Fleisch den sog. "Göttern"  geweiht oder geopfert wird, dann hat das für die christliche Gemeinde keine Relevanz, weil es diese anderen "Götter" gar nicht gibt. Deshalb kann das Fleisch auch bedenkenlos verzehrt werden - es gab ja schließlich in den Städten auch keine anderen Bezugsquellen.

Paulus bremst seine eifrigen Gemeindeglieder. Er stellt der "Erkenntnis", dem "Wissen", die Liebe gegenüber. Wie im 13. Kapitel sagt er, dass reines Wissen ohne Liebe, so richtig das Wissen auch ist, nicht die Gemeinde aufbaut. Muss es heißen:

  • ein Gott, der Vater
  • ein Herr, Jesus Christus
  • eine Gemeinde ... ???

Und noch ein Gedanke ist wichtig: Christlicher Glaube ist niemals reines Wissen. Christlicher Glaube hat immer etwas mit einer Beziehung zu tun: "Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt." (V 3) Mit anderen Worten: der menschlichen Liebe zu Gott geht immer voraus, dass Gott den Menschen erkennt, dass er ihn liebt, dass er ihn in seinen Herrschaftsbereich ruft.

Gott erhöht

Philipper 2,6-11

Der in Gottesgestalt war,
hielt nicht fest wie einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entleerte sich selbst,
Sklavengestalt annehmend.
Den Menschen gleich geworden
und der Erscheinung nach empfunden als ein Mensch.
erniedrigte er sich selbst,
sich gehorsam zeigend bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.

Deshalb hat ihn auch Gott über alle Maßen erhöht,
und hat ihm den Namen, der über jedem Namen ist, geschenkt,
Damit unter Anrufung des Namens Jesu
sich jedes Knie beuge der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen
und jede Zunge bekenne:
"HERR ist Jesus Christus" zur Ehre Gottes des Vaters.

In einem wunderbaren Aufbau beschreibt dieser alte Hymnus aus der ersten Christengemeinde, was es mit Gott und mit Christus auf sich hat. Ich habe versucht, mit Farben deutlich zu machen, was sich aufeinander bezieht.

  • Die spätere dogmatische Aussage über Jesus Christus "wahrer Mensch und wahrer Gott" beschreibt Paulus in diesen Zeilen: ... er war in Gottesgestalt! Vor aller Zeit!? Von Ewigkeit ...!? Der Evangelist Johannes schreibt viele Jahre später: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott." (Joh 1,1f)
  • Christus hält diese "Gottesgestalt" nicht fest, er klammert sich nicht daran. Wäre das dann ein "Raub", etwas Unrechtmäßiges, etwas, was ihm nicht zustünde?
  • Christus entleert, entäußert sich seiner Gottesgestalt, er wird ein Mensch, mit allen Konsequenzen bis hin zum grausamen Kreuzestod. 

Hier hört die "Aktivität" Christi auf. Gott übernimmt das "Ruder".

  • Gott erhöht den Gekreuzigten über alle Maßen, er setzt ihn nicht nur ein in den alten Stand, er schenkt ihm mehr. 
Gott kann es haben, den neben sich (über sich ?) zu setzen, der sich selbst der Gottesgestalt entleerte, der Sklavengestalt annahm, der am Kreuz gestorben ist. Gott ist sich dessen nicht zu schade.

  • Gott gibt dem Gekreuzigten den Namen, der über allen Namen steht (vgl. Hebr 1,4: ... und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.)

Welcher Name ist der höchste? Welcher steht über allen anderen? Geheiligt werde dein Name ... Du sollst den Namen des HERRN, deine Gottes, nicht unnützlich führen ... Gottes Name? Der HERR? Der Kyrios?

  • In der Anrufung dieses Namens beugen die ihre Knie, deren Gestalt der angenommen hatte, der in Gottesgestalt war. 
  • Und sie rufen: Jesus Christus ist der HERR, ist der Kyrios, trägt den Namen, der über allen steht.

Dass der, der sich selbst der Gottesgestalt entleerte, der Sklavengestalt annahm, der am Kreuz gestorben ist, dass der der HERR ist, dass der der Kyrios ist, dass der den Namen trägt, der über allen ist, das geschieht zur Ehre Gottes - und der ist der Vater.

Christus unterwirft

Wen? Den Menschen? Den Sünder? Ist Christus der “Neugierigste, Über-Zudringlichste”, der “in meine schmutzigsten Winkel” kriecht (Nietzsche)? (Feldmeier, Gottesliebe und Gotteslehre. Hinführung, S. 10) 

Nein! "Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod." Warum der Tod? Weil die Sünde ihn missbraucht: "Gott ist eifersüchtig. Gott enthält euch etwas vor. Holt heraus, was herauszuholen ist. Koste es, was es wolle. Ihr habt nur dieses eine Leben. Ihr werdet sein wie Gott!"

Erst im Licht der Auferstehung wird deutlich, dass Gott den Menschen nicht als Richter begegnet, der sie bei ihrem Versagen behaftet, sondern als der, der sie neu in die Nachfolge beruft. (Feldmeier, Gottesliebe und Gotteslehre. Hinführung) "Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!" Offb. 21,4f)

1. Korinther 15,21-28 - ... damit Gott sei alles in allem

20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch "einen" Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch "einen" Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).

26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, "alles" sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.

28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

In diesem Geschehen sind Gott der Vater und Gott der Sohn aufeinander bezogen. Keiner kann in seinem Sein ohne den anderen erkannt werden. Der Vater ist es, der den sich selbst erniedrigenden Sohn erhöht, ihn quasi an seine eigene Stelle oder sogar darüber hinaus setzt - über alles Maßen erhöhen, den Namen geben, der über allem steht. Darin erweist der Vater auch seine Macht. Und der Sohn seinerseits usurpiert jetzt nicht diese Macht, sondern er gebraucht sie, um schließlich dem Vater alles zu unterwerfen und alles zu übergeben. Damit dies nicht allein ein "innergöttliches" Spiel zwischen Vater und Sohn ist, tritt der Heilige Geist dazu, der die Gläubigen in diesen Prozess hinein nimmt. Erniedrigung und Erhöhung geschieht uns zu Gute. Und wir sollen entsprechend diesem Prozess unser Leben in Liebe zu Gott und dem Nächsten gestalten. 

Diese Gedanken werden in der Theologie- und Dogmengeschichte zusammengeführt in der Rede von der Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes: Ein Gott, drei Wirk- oder Erscheinungsweisen. 

Was wissen wir bisher?

  • Gott ist einer! 
  • Gott ist der Vater!
  • Jesus Christus war in Gottesgestalt, der er sich entleerte. 
  • Jesus Christus nahm Sklavengestalt an, wurde ein Mensch, starb am Kreuz.
  • Gott erhöht Jesus Christus über die Maßen!
  • Gott gibt Jesus Christus den höchsten Namen.
  • Alle bekennen dies: Jesus Christus ist der HERR, ist Kyrios!
  • Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
  • Und das alles gereicht Gott zur Ehre!

Was bedeutet das für uns?

  • Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf. 
  • Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. 
  • Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt. 

Gottesliebe - Menschenliebe

Markus 12,28-34

28 Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?

29 Jesus aber antwortete ihm:
Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,
30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18).
Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm:
Meister, du hast wahrhaftig recht geredet!
Er ist nur "einer," und ist kein anderer außer ihm;
33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt
und seinen Nächsten lieben wie sich selbst,
das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm:
Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

  • Wer ist Gott? 
Gott ist der Vater - Jesus Christus, der in der Gottesgestalt, der ist der HERR, der Kyrios.

  • Was macht sein Wesen aus? 

Er ist einer!

      • Wie sollen wir ihn nennen?
      Gott, unser Vater.
      • Was macht er mit uns ...

      ... nicht richten, sondern in die Nachfolge rufen!
      • ... und wir mit ihm?

      ... ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und meinen Nächsten lieben wie mich selbst.

        Gott als Vater

        Die nachfolgenden Texte werden unter der genannten Fragestellung am 05.06. besprochen. 

        1. Christologie

        Lukas 10,21f - Jesu Jubelruf

        21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach:
        Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.
        22 Alles ist mir übergeben von meinem Vater.
        Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater,
        noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

        • Wie wird von Gott als Vater gesprochen?
        • Welche Bedeutung hat Jesus Christus?

        2. Soteriologie

        Römer 8,14-17.31f - Hoffnung für die Schöpfung und Gewissheit des Heils

        14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

        31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

        • Worin gründet die Gotteskindschaft?
        • Wie äußert sie sich?
        • Was sind ihre Folgen?
        • Welche Bedeutung hat Christus?
        • Wie wird Gott als Vater verstanden?

        3. Ethik

        Matthäus 5,43-45.48 - Von der Feindesliebe

        43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen2, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. ... 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

        • Wie wird von Gott als Vater hier gesprochen?
        • Was bedeutet seine Vollkommenheit?
        • Was bedeutet Gotteskindschaft hier?